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Phosphat ist eigentlich ein lebenswichtiger Bestandteil von Katzenfutter, der (zusammen mit Calcium) u.a. für Skelett, Zähne, Muskeln und den Energiestoffwechsel gebraucht wird. Kranke Nieren können allerdings überflüssiges Phosphat nicht mehr so gut über den Urin ausscheiden. Daher enthalten Nierendiäten weniger Phosphat.
„Renal diets are restricted in protein, phosphorus and sodium and supplemented with potassium, omega-3 fatty acids, B vitamins and fat content, and are alkalinising. It is unknown which alterations are responsible for survival benefits, although studies in experimental models support phosphate restriction, and essential fatty acid (EFA) supplementation as potential mechanisms.“
Sehr häufig wird außerdem empfohlen, bei Nierenerkrankungen Futter mit wenig Protein zu füttern. Ob das wirklich sinnvoll ist, ist allerdings nicht ganz so klar, eindeutige Belege dazu fehlen bisher:
„The ideal dietary nutrient composition to optimize the health of cats with chronic kidney disease (CKD) remains unclear. […] there is inadequate evidence to support protein restriction.“1
Gefährlich kann vor allem der Verlust von Muskelmasse und Gewicht durch zu wenig Protein im Futter werden.
„Recent studies have suggested that cats with CKD may require more protein than what is provided in renal diets because body weight (BW), body condition score (BCS) and/or muscle mass (MM) may decline over time.“2
Die meisten Nierenfutter enthalten leider trotzdem nur sehr wenig Protein. Denn Protein zu reduzieren ist eine einfache Möglichkeit, auch das Phosphat zu senken.
Wenn der Haupteffekt von Nierendiäten auf der Phosphatreduktion beruht, könnte man dann nicht einfach statt Nierendiät ein normales Futter mit einem niedrigen Phosphatgehalt füttern? Oder einen Phosphatbinder zu normalem Futter geben?
Nierendiäten für Katzen werben – neben der unumstrittenen Phosphatreduktion – auch noch mit anderen Eigenschaften. Dies wird oft als Argument dafür verwendet, dass Nierendiäten besser als eine reine Phosphatreduktion wirken sollen.
Die beworbenen Eigenschaften sind meist:
Abgesehen davon, dass für viele dieser Maßnahmen bisher kein Beweis existiert, dass sie einen positiven Effekt auf Nierenerkrankungen bei Katzen haben…
Viele Diätfutter halten diese Versprechen gar nicht ein!
Hier haben wir 3 typische Nierendiäten verglichen und auf die beworbenen Aussagen überprüft. Wie man sieht, werden nur wenige der angeblichen Vorteile umgesetzt. Zudem sind die Zusammensetzungen sehr schlecht (oder zumindest sehr schlecht deklariert), der Proteingehalt sehr niedrig und der Kohlenhydratanteil sehr hoch.
| Vet Concept Low Protein | Royal Canin Renal Huhn | Hills k/d Kidney Care Huhn (Dose) | |
|---|---|---|---|
| Protein | 35% | 34% | 29% |
| Fett | 35% | 35% | 22% |
| NfE (Kohlenhydrate) | 20% | 23% | 40% |
| Phosphat* | 0,45% | 0,39% | 0,52% |
| Ca:Ph-Verhältnis | 1,6:1 | 1,67:1 | 1,79:1 |
| hochwertiges Protein? | Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse* | Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse*. | Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse* |
| Taurin | 1.500 mg/kg | o | o |
| Omega-3-Fettsäuren (am besten tierisches Fett) | Öle und Fette (Lachsöl) (0,5%). | Unbekannte Öle und Fette | Unbekannte Öle und Fette |
| B-Vitamine | o | o | o |
| Antioxidantien | o | o | o |
| Schadstoffbinder | o | Zeolith | o |
| Schädliche Bestandteile | Zucker | Zucker |
Immer wieder wird betont, dass Nierendiät in Studien eine längere Überlebensdauer für Katzen gezeigt hat. Schaut man sich diese Studien aber genauer an, fällt auf, dass gar nicht klar ist, welche der Bestandteile der Nierendiät für den positiven Effekt verantwortlich sind.
Auch sind die Zusammensetzungen von verschiedenen Nierendiäten sehr unterschiedlich. Studienergebnisse zu einem Nierenfutter kann man also nicht auf alle Nierenfutter übertragen.
Bisher lässt sich wie gesagt vor allem der positive Effekt einer Phosphatreduktion belegen.
Da Phosphat vor allem in Fleisch und Knochen vorkommt, ist die Frage, wie man eine Reduktion bewerkstelligen kann, ohne die lebenswichtigen Aminosäuren aus tierischen Proteinen zu vernachlässigen.
Grundsätzlich gibt es drei Möglichkeiten, Phosphat zu reduzieren:
Leider wird in vielen Nierendiäten vor allem die erste Lösung gewählt, also mehr Kohlenhydrate wie Reis oder Kartoffeln verwendet. Für einen Carnivoren wie die Katze ist das vermutlich nicht ideal.
„Die Verdaulichkeit der Stärke beträgt zwischen 40 und 100%, abhängig von der Kohlenhydratquelle und auch der Behandlung der Kohlenhydrate.“ [5]
Ihrer natürlichen Ernährung entspricht das aber nicht.
Wild lebende Katzen ernähren sich von
52% Protein
46% Fett
2% NfE (Kohlenhydrate)6
Zudem stellt sich die Frage, ob Proteine aus hochwertigem
Fleisch für die Katze nicht besser zu verwerten sind, als
pflanzliche Proteine und diese die Nieren daher besser
entlasten.
Langzeitstudien, die verschiedene Ernährungsformen und ihre
Auswirkung auf die Gesundheit der Katze untersuchen, fehlen
bisher.
Zusammenfassend kann man sagen, dass es bei Nierendiät vor allem folgende Nachteile gibt:
Als Vorteile von Nierendiät kann man gelten lassen:
*Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse können wertvolles
Fleisch und Innereien enthalten, aber auch minderwertige
Schlachtabfälle oder in großen Mengen problematische Dinge wie
Geflügelköpfe, Häute, Felle, Hörner, Füße, Borsten, Federn,
Wolle, Haare, Abfall von Hufausschnitt, entfettete Knochen,
Grieben, Zentrifugen- oder Separatorenschlamm aus der
Milchverarbeitung, Plazenta, sowie Küchen- und Speiseabfälle.
Werden diese Dinge auf der Verpackung nicht aufgeschlüsselt,
weiß man einfach nicht, was wovon enthalten ist und wie
hochwertig (oder minderwertig) das enthaltene Protein ist.
[4]
Außerdem wird teilweise nicht klar, von welchen Tieren das
enthaltene Protein stammt, da nur ein Teil deklariert ist.
Quellen
[1] Scherk, M. A., & Laflamme, D. P. (2016). Controversies in Veterinary Nephrology: Renal Diets Are Indicated for Cats with International Renal Interest Society Chronic Kidney Disease Stages 2 to 4: The Con View.Veterinary Clinics of North America Small Animal Practice,46(6), 1067–1094. https://doi.org/10.1016/j.cvsm.2016.06.007
[2] Machado, D. P., Ruberti, B., Teixeira, F. A., Vendramini, T. H. A., Pfrimer, K., Chacar, F. C., Balieiro, J. C. C., Pontieri, C. F. F., & Brunetto, M. A. (2022). Body Composition of Healthy Cats and Cats with Chronic Kidney Disease Fed on a Dry Diet Low in Phosphorus with Maintenance Protein.Toxins,14(12), 865. https://doi.org/10.3390/toxins14120865
[4]Verordnung – 1069/2009 – EN – EUR-LEX. (n.d.). https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/ALL/?uri=CELEX%3A32009R1069 Eine gute Erklärung zu tierischen Nebenerzeugnissen bietet auch Haustiger.info:https://haustiger.info/was-sind-eigentlich-tierische-nebenerzeugnisse/
[5] Iben, C., Liesegang, A., Wichert, B. & Wolf, P. (2021).Ernährung der Katze. https://doi.org/10.1055/b-006-161630
[6] Plantinga, E. A., Bosch, G., & Hendriks, W. H. (2011). Estimation of the dietary nutrient profile of free-roaming feral cats: possible implications for nutrition of domestic cats.British Journal of Nutrition,106(S1), S35–S48. https://doi.org/10.1017/s0007114511002285
[7] Sparkes, A. H., Caney, S., Chalhoub, S., Elliott, J., Finch, N., Gajanayake, I., Langston, C., Lefebvre, H. P., White, J., & Quimby, J. (2016). ISFM Consensus Guidelines on the Diagnosis and Management of Feline Chronic Kidney Disease.Journal of Feline Medicine and Surgery,18(3), 219–239. https://doi.org/10.1177/1098612×16631234
Weitere Quellen:
Zu Omega-3-Fettsäuren:https://todaysveterinarypractice.com/nutrition/role-of-dietary-fatty-acids-in-dogs-cats/
